Tag 16: Stettin nach Hamburg dirket ins Ziel

Die etwas längere Etappe gestern hatte sich wirklich gelohnt, wir mussten  erst um 9 Uhr los um pünktlich zum Zieleinlauf in Hamburg zu sein. Es wurde am Abend davor So richtig früh kamen wir auch nicht ins Bett, da wir das Roadbook noch fertig schreiben mussten und unser Auto mit Bildern der letzten 15 Tage dekorierten.

Nun ging es aber los auf die Bahn, richtig auf die Autobahn. Am letzten Tag war die Autobahn frei gegeben, dass es alle Teams rechtzeitig nach Hamburg schaffen. Die Etappe lässt sich recht schnell zusammenfassen, Straßen 1A, Verkehr sehr gesittet und die Landschaft wunderschön. Doch im Vergleich zu den letzten Tagen ein wenig langweilig.

Egal wir springen vor nach Hamburg. Der G20 Gipfel wirft seinen Schatten voraus. Die ganze Stadt vollgepackt mit gesperrten Straßen und Polizei Sprintern. Das alles zwang uns zu dem ein oder anderen Umweg in Hamburg aber wir haben den Weg zum Fischmarkt gefunden. Um ca. 15:30Uhr war es geschafft, nach 16 Tagen, ungefähr 1350l Diesel und ca.8500km beendeten wir den Baltic Sea Circle 2017, ein unbeschreibliches Gefühl. An der Ziellinie wurden wir auch von einer kleinen Delegation aus unserer Heimat empfangen, darüber freuten wir uns riesig.

Nach und nach trudelten auch die ganzen anderen Teams ein, die wir immer wieder auf der Reise trafen und jeder freute sich es wieder nach Hamburg geschafft zu haben. In diesem Jahr wissen wir von 3 total Ausfällen auf der Strecke, zwei schafften es noch mit Hilfe einer Airline zum Zieleinlauf, das dritte Team sitzt noch in Kaliningrad. Ein weiteres Team hatte einen Schaden auf den Lofoten und Stand dort 4 Tage, jetzt haben sie ihre Ersatzteile bekommen und fahren die Tour fertig. Geplante Ankunft ist in Hamburg am Dienstag, wir drücken die Daumen das alles klappt.

Nachdem die meisten Teams da waren, ging es ab ins Alte Mädchen der Ratsherren Brauerei zur Siegerehrung und einem gemütlichen Ausklang der Rallye. Mit das schönste war die Parkplatzsuche in Hamburg. Von einem Local wurde uns der Parkplatz zwischen Messe und Altem Mädchen empfohlen, der Platz als solches war super und wir haben unser Auto auch dort abgestellt. Man sollte aber erwähnen, das unser Parkplatz 24 h von einer nicht abschätzbaren Anzahl von Polizisten bewacht wurde gefühlt über 100 Jungs. Okay eigentlich haben sie ja auf die Messe aufgepasst, dass der arme Trump und die anderen großen Politiker sich sicher fühlen. Uns war es egal unser Knut stand erstklassig bewacht und auch beim Schlafen hatten immer ein paar Polizisten ein Auge auf uns also alles gut. So ein G20 Gipfel hat auch Vorteile.

Nun zu den Siegern. Die Roadbook Challenge hat das Team Saab´s Friends mit der Startnummer #176 gewonnen, an dieser Stelle nochmal Glückwunsch. Es sind aber alle Sieger, die es geschafft haben diese Tour zu bewältigen. Es wurde sich gegenseitig geholfen und es bildeten sich neue Freundschaften und das ist doch das schönste.

Im Ziel wurde auch die vorläufige Endsumme aller Spenden verkündet. Alle Team sammelten über 422.000,00 €  für den guten Zweck, das ist doch ein Wort und auch hier nochmal  vielen vielen Dank an alle die unsere Spendenaktion unterstützt haben. Wir steuerten 2.753,00€ zur Gesamtsumme bei und das kann sich sehen lassen.

So nun befinden wir uns schon auf der wirklich letzten Etappe nach Hause schlappe 640km gilt es zu fahren. Easy going. Wir hoffen Ihr hattet Spaß beim lesen unseres Riseblog´s

Tag 15: Jurbarkas nach Stettin

Nach einer weiteren Nacht am Waldrand stand die vorletzte Etappe auf dem Plan. Ganz klares Ziel, so nah wie möglich an die deutsche Grenze zu kommen, um es morgen, bei der letzten Etappe, nicht mehr so weit zu haben.

Stimmung am Morgen

 

Also ging es früh los und wir umfuhren ganz schlicht Kaliningrad, bei den Straßenverhältnissen gab es von allem etwas. Die kleinen Örtchen die wir durchfuhren boten uns immer neue Ausblicke. Gut die Einwohner schauten schon immer etwas blöd, als wir mit unserem Knut durch Ihren Ort tuckerten, aber was soll man machen. Was uns schon länger auffiel und was sich in Polen nicht wirklich änderte, es gibt hier wahnsinnig viele Störche, die ihre Jungen aufziehen. Es ist fast unmöglich einen Hof zu finden der kein Storchennest hat.

Die Grenzüberfahrt war, wie erwartet, sehr unspektakulär, wie es in der EU ja üblich ist. Danach folgte dann aber ein absolutes Highlight auf dieser Etappe. In Polen fand heute der Lauf zur WRC statt und uns kamen auf der Verbindungsetappe die ganzen Boliden entgegen. Es war sowohl für unsere Ohren, als auch für die Augen eine wahre Freude. Cool war auch, dass wir den Führenden am zweiten Tag im Vorbeifahren fotografieren konnten, den Belgier Thierry Neuville. Wir überlegten kurzzeitig uns an eine Wertungsprüfung zu stellen und uns das Spektakel kurz anzusehen. Dies hätte aber zur Folge, dass wir die ganze Nacht durchfahren müssten für einen pünktlichen Zieleinlauf. Also siegte die Vernunft und es ging weiter.

Als Zwischenziel stand heute Marienburg auf dem Plan, dort wollten wir die alte Festung besichtigen. Am Parkplatz angekommen mussten wir aber feststellen, dass man nur mit Ticket in die Festung kommt und auch der Parkplatz nicht ganz günstig ist. Für die wenige Zeit die wir nur hatten stand das alles nicht im Verhältnis, also gab es ein kurzes Erinnerungsfoto und dann zurück auf die Bahn.

Festung in Marienburg

Wir wählten die Strecke Richtung Stettin, um morgen zügig auf die Autobahn zu kommen, die am letzten Tag wieder erlaubt ist. Nach 12 Stunden Fahrt kamen wir in Stettin am Campingplatz an und waren leicht erledigt. Die gesamte Strecke heute waren über 800km. Was so ein „kleiner“ Umweg doch für Folgen hat… Es hat sich aber gelohnt, in Litauen und Polen hatten wir lange gutes Wetter und konnten die Landschaft genießen.

Unser letzter Stellplatz
Es gibt wieder eine neue Pflanze

In Marienburg trafen wir ein Team, das gestern zur gleichen Zeit an der Grenze stand. Zum einen waren sie nicht wirklich schneller und von Kaliningrad hatten sie auch nicht viel gesehen, da es die ganze Zeit geschüttet hat. Also haben wir alles richtig gemacht.

Jetzt gibt es noch ein Bier und dann ab ins Bett.

Tag 14: Riga nach Jurbarkas

Nach einer leicht verregneten Nacht in Riga ging es morgens bei noch leichtem Nieselregen los. Der erste Stopp war der „Hill of Crosses“ danach die kurische Nehrung und wieder ab nach Russland. Das war der Plan und ja es war nur ein Plan aber von Anfang an.

Der Weg zum Hill of Crosses war ein sehr angenehmer und leicht zu finden, denn es steht direkt auf der Karte. Wir hielten davor noch eben im Wald um uns zwei Kreuze zu basteln, die wir für unsere Tagesaufgabe benötigten. Am Kreuzberg angekommen (klingt auf Deutsch nicht so Mystisch) waren wir beide von der Atmosphäre beeindruckt, auf diesem Berg stehen eine aberwitzige Anzahl von Kreuzen egal ob groß oder klein, alt oder neu und auch das Material variiert. Bei einem kleinen Spaziergang über den Berg suchten wir uns ein schönes Plätzchen für unsere Kreuze und stellten diese zu den anderen. Eine Sage sagt, dass das Aufstellen eines Kreuzes hier die Freunde und Familie vor Unheil schützt.

Nach erledigter Tagesaufgabe ging es in Richtung Küste zur kurische Nehrung und der Grenze. Das Wetter wurde immer schlechter und wir sind uns beide einig, dass die Nehrung bei gutem Wetter definitiv eine Reise wert ist aber bei Regen naja. Was auch auffällt das die kurische Nehrung Ähnlichkeiten mit Sylt hat, wenn man mal die Autos betrachtet.

So bis hier hin hat unser Plan super funktioniert, dann kam die Grenze. Wir waren aus Kirkenes schon die ein oder andere Schikane gewohnt aber das hier war zu viel. Eine Wartezeit von Minimum 5h hätte uns erwartet und über Berichte aus dem letzten Jahr und auch aktuellen, war die Ausreise kein Haar besser. Also machten wir kehrt und entschlossen uns die russische Enklave zu umfahren.

Es ist zwar ein kleiner Umweg aber bis zum Nachtlager durchfuhren wir idyllische Örtchen und traumhafte Landschaften. Nur das mit der Straßenentwässerung funktioniert nicht so richtig. Was aber nicht wirklich ein Problem war, denn großer Autowagen und große Pfützen bringen jede Menge Spaß. Zum Glück waren keine Passanten unterwegs. J Was uns dann abends erst richtig bewusst wurde es sind nur noch zwei Etappen dann ist die Reise vorbei.

Tag 13: Raudsilla nach Riga

Nach der doch sehr gelungenen Party, mussten wir ein wenig länger auf dem Campingplatz stehen, bis wir wieder unser Auto bewegen durften.

Gegen 13 Uhr starteten wir dann den Motor und es ging in Richtung Riga. Davor galt es noch die Tagesaufgabe zu erledigen. Wir mussten ein altes Gefängnis finden, das durch das Aufstauen eines Flusses überflutet wurde. Kann schon mal passieren. Jetzt ist in den Ruinen schwimmen und die Seele baumeln lassen angesagt. Etwas erschwert wurde die Aufgabe in diesem See zu schwimmen, durch ein Festival, das zurzeit dort stattfindet weshalb der Platz zum Großteil eingezäunt ist. Die netten Mädels am Eingang verwiesen uns aber auf einen Berg dort könnten wir wenigstens runter schauen. Wie der Zufall es so will konnte man von dort oben zum See laufen.

An diesem See zu stehen war einfach der Hammer, nur das Wasser war etwas kalt. Nachdem wir eine Runde baden waren machten wir uns entlang des Zaunes auf den Rückweg. Wir alle wissen nicht wie, aber auf einmal standen wir auf dem Festival Gelände. Daher schlenderten wir zum normalen Ausgang hinaus. Die zwei Mädels,  die uns den Tipp gaben schauten etwas verdutzt, aber sagten nichts und lächelten nur.

Nun verabschiedeten wir uns von den beiden Jungs aus Mainz und fuhren auf direktem Weg nach Riga. Was uns seit Russland nicht mehr los lässt sind die wilden Überholmanöver auf den Straßen, egal ob in Estland oder Lettland, die haben alle eine an der Waffel.

Der direkte Weg

In Riga selbst stellten wir uns auf den Citycampingplatz in der Stadt direkt am Fluss. Eigentlich ein super Spot, die Stadt zu erkunden, aber die doch etwas fortgeschrittene Zeit, das Wetter und unser Gemütszustand hielten uns davon ab und wir gingen einfach schlafen.

Tag 12: Narwa nach Raudsilla

Der erste wichtige Punkt auf dieser Etappe war ausschlafen. Nach der Grenzüberfahrt von gestern fiel uns das auch nicht schwer. Nach dem Aufstehen und dem morgendlichen Kaffee stellten wir fest, dass wir einen saugeilen Spot zum Übernachten gefunden hatten.

Campingplatz

Unserer Reisegruppe löste sich dann auf, da wir direkt auf den Campingplatz nach Raudsilla fuhren und die anderen noch nach Tallinn.

Der weg zum Campingplatz war nicht weit, aber leider mussten wir auf dieser Sprintetappe einen Schaden verzeichnen. Wir haben einen unserer Zusatzspiegel verloren, die Halterung hat Russland wohl nicht so gut überlebt.

Am Campingplatz angekommen gab es erst mal eine warme Dusche und einen Snack von der Bar. Den restlichen Mittag verbrachten wir dann auf unserer Dachterrasse bei Cuba Libre im Liegestuhl.

Gegen später startete das Programm mit regionalen Tänzen und einer Feuershow, der Rest war dann einfach Feiern. Die Location war der Hammer und so zog sich das Fest bis in die Morgenstunden. Was uns sehr freute war, dass die beiden Jungs aus Mainz den Weg durch Finnland etwas beschleunigten, um mit uns und allen anderen zu feiern.

Tag 11: Pedrosawodsk nach Narwa

Nach einer guten, aber kurzen, Nacht am See starteten wir früh Richtung St. Petersburg, in der Hoffnung dem Berufsverkehr in Pedrosawodsk zu entgehen. Das hat auch einigermaßen funktioniert, allerdings musste man immer noch aufpassen nicht in die metergroßen Schlaglöcher zu fahren.

Die Verbindungsetappe nach St. Petersburg ging wieder einmal über endlose Straßen durch den Wald. Zum Glück verstehen es die Russen die Langeweile durch haarsträubende Überholmanöver aufzulockern. Es ließ sich zudem beobachten, dass der Fahrstil immer riskanter wurde, umso näher wir an die Millionenstadt kamen.

 

Der Verkehr in St. Petersburg selbst gleicht einem Massenstart beim Motocross. Jeder will ganz vorne sein und am schnellsten durchkommen und dafür wird durchaus etwas Körperkontakt in Kauf genommen. Aber ähnlich wie beim Massenstart geht es im Stadtverkehr dann doch auch meist glimpflich aus. Wir sind auf unserer Fahrt ins Zentrum und wieder raus an „nur“ 4 Unfällen vorbei gekommen, was nach unserem Erachten kein schlechter Schnitt ist beim dem Chaos.

Um unsere Aufgabe zu erfüllen mussten wir eine Bar im Zentrum der Stadt finden und uns dort einen Aufkleber für‘s Roadbook holen. Die Bar zu finden war schon ein Drama und dann kam dazu, dass sie sich mitten im belebten Bahnhofsviertel befand und unsere Reisegruppe aus 2 LKWs und einem VW Bus bestand, was es auch schwierig machte einen Parkplatz zu finden. Als wir einen fanden, war der Weg zur Bar eine dreiviertel Stunde Fußmarsch, also teilten wir uns auf: vier gingen los zur Bar und drei blieben bei den Autos. Eineinhalb Stunden später trafen wir uns wieder, jeder hatte seinen Aufkleber und wir konnten weiter. Unser Fazit zu St. Petersburg ist: Eine sehr schöne Stadt, in der es viel zu sehen und zu erleben gibt, aber auf die Anreise mit dem LKW sollte man in Zukunft vielleicht verzichten.

Mit der Tageschallenge in der Tasche machten wir uns auf den Weg zur Estnischen Grenze, in der Hoffnung zügig über die Grenze zu kommen und in Estland noch einen schönen Campingplatz an der Ostsee zu finden. Leider hatten wir die Rechnung ohne die Russischen Grenzbeamten gemacht. Die Wartezeit zog sich so lange, dass wir bald schon nicht mal mehr Lust hatten unser Feuerwehrquartett zu spielen. Nach viermal Pass zeigen, dreimal Rollladen hoch und Klappen auf und wieder zu und dann noch einer genaueren Inspektion des Innenraumes, dachten wir wir  hätten es geschafft. Leider hatten wir nicht damit gerechnet, dass die Einreise in die EU auch für einen EU-Bürger langwierig sein kann. Nach nochmal 2 Passkontrollen, einmal geröntgt werden und einer genauen Inspektion unseres Knuts, gab es dann noch Probleme mit dem Fahrzeugschein, wo sich dann herausstellte, dass die Grenzbeamtin einfach die Nummer falsch eingetippt hatte. Auch wenn man das Gefühl hatte, dass, zumindest auf russischer Seite, recht viel Schikane dabei war, muss man sagen, dass die, zumeist sehr hübschen, Grenzbeamtinnen fast durchweg sehr freundlich waren.

Mit Russland hinter uns zelebrierten wir den Wiedereintritt in den Westen erstmal mit einem Besuch bei McDonalds, da wir von dreieinhalb Stunden Warterei alle müde und gestresst waren. Mit vollem Bauch machten wir uns auf die Suche nach einem Schlafplatz. Nach 3 Tagen Wildcampen sehnten sich alle nach einer warmen Dusche auf dem Campingplatz, doch das konnten wir uns nachts um eins dann auch abschminken. Nach noch einer halben Stunde Fahrerei, hatten wir dann einen recht schönen Standplatz gefunden und fielen sofort erschöpft ins Bett.

Die Frage die uns vor dem Einschlafen dann noch durch den Kopf ging war: Wer trägt uns jetzt die 2 Röntgenbilder von der Grenze in unseren Röntgenpass ein?

Tag 10: Kandalakscha nach Petrosawodsk

Der Start in den Tag war sehr international. Deutsche Reisegruppe bei englischen Wetter auf russischen Straßen. Es stand uns ein 12-Stunden-Tag bevor, um in den Süden zu kommen nach Petrosawodsk. Die ersten 10 Stunden sind nicht weiter erwähnenswert. Eine lange, meist gerade Straße durch den Wald. Das einzig interessante hier waren die haarsträubenden Überholmanöver der Russen und das sich ständig wechselnde Wetter.

Das änderte sich aber als wir in Petrosawodsk ankamen und durch die Stadt in Richtung Onega See fuhren. Die Stadt machte einen verwahrlosten und chaotischen Eindruck. Die Navigation war schwierig, da man kein einziges Schild entziffern konnte und ständig Schlaglöchern ausweichen musste. Wir reden nicht von deutschen mini pups Schlaglöchern, sondern einem Minenfeld aus Schlaglöcher. Erst fanden wir keinen geeigneten Platz, um an dem See zu campen, doch durch das Nachfragen mit unserem „Reden ohne Worte“ Buch und einer Dame an der Tankstelle, die überraschend gut Englisch sprechen konnte, fanden wir schließlich einen super schönen Platz am See. Da wir alle doch ziemlich kaputt waren, blieben wir hier und verbrachten die Nacht mit Seeblick. Nur die Heerscharen an Stechmücken waren bei der Idylle ein kleiner Dorn im Auge, aber mit genügend Mückenspray war auch das auszuhalten. Heute war auch seit langem die erste Nacht, in der die Sonne wieder so richtig unterging und es eine Zeit lang dämmrig war. Was so 700km südlicher alles ausmachen.

Tag 9: Kirkenes (NOR) nach Kandalakscha (RUS)

Und schon wieder ein Tag der früh beginnt. Da uns aber keiner sagen kann wie lange der Grenzübergang dauert, sind wir lieber etwas früher aufgestanden. Der Weg vom Camp zur Grenze ist nicht der Rede wert, aber am Parkplatz davor ging das Abenteuer los. Wir durchforsteten nochmal alle unsere Vorräte, dass wir nichts Verbotenes im Auto hatten. Dann kam die erste Zöllnerin von Norwegen und gab uns den Rat lieber etwas mehr zu entsorgen, wenn wir sicher einreisen wollen. Schweren Herzens trennt wir uns von unserer Basilikumpflanze Giorgio, der uns schon seit Malmö begleitete.

Das Auto nun fit für die Grenze reisten wir aus Norwegen aus, um dann vor der Grenze nach Russland zu stehen. Die Beamten, die den Schlagbaum öffneten, kamen im Gleichschritt an und alle dachten sich schon: „Das wird ein Spaß!“ Nachdem wir Knut abgestellt hatten sind wir zur Einreise gegangen. Hier lief erst alles glatt und wir hatten beide die Einreise nach Russland geschafft. Nun musste Paddy als Fahrer rechts abbiegen und ich durfte gerade aus. Die Einfuhr unseres Knuts gestaltete sich dann schon etwas schwerer. Erst galt es ein Formular doppelt auszufüllen, das dann hoch offiziell in den Rechner eingetippt wurde und nun wurden wir echt nervös, weil es ewig dauerte. Aus meiner Position konnte ich auf den Bildschirm schauen und mich traf der Schlag: Microsofts Rache trifft auch die Russen. Der Rechner musste geupdatet werden und verschiedenste Fenster waren offen bis hin zum Absturz des Computers. Das gute Windows XP wird eben nicht mehr unterstützt. 😛 Durch die Mithilfe eines weiteren Zöllners hat dann aber alles gekappt und wir hatten alle Papiere.

Grenze vor Kirkenes – jetzt wird es ernst

Nun begann der zweite Akt. Paddy durfte das Auto gleich 4 Beamten und zwei Hunden vorführen. Ich stand auf der Russischen Seite und konnte nur zuschauen, ein sehr ungutes Gefühl. Nachdem alle Stauraumklappen und Fächer durchstöbert und auch der Ratschenkasten im Detail geprüft war, hatten wir es geschafft, alle drei durften nach Russland einreisen. Auch alle aus unserer Reisegruppe hatten es auch geschafft. Doch einem Team, das es zur gleichen Zeit versuchte, wurde die Einreise mit dem Auto verweigert, weil sie wohl etwas zu viel Schnaps im Auto hatten. Ein Bild für Götter, eine Zöllnerin lief vor dem Auto her und geleitete beide einmal um das Zollhäuschen herum direkt zur Ausreise.

Jetzt ging es auf die Straße nach Murmansk zur Tageschallenge. Die ersten 50 Kilometer traute ich meinen Augen kaum, wir fuhren über eine nagelneue Straße in bestem Zustand. Gut der Grenzzaun mit Videoüberwachung und ordentlich Stacheldraht entlang den alten Wachtürmen hielt die Spannung hoch. Vielleicht lag das aber auch an den 5 Panzerkasernen an denen wir vorbei fuhren, die zwar etwas heruntergekommen aussahen, aber überall standen Soldaten und so richtig wohl fühlte man sich nicht. Doch die Soldaten winkten uns meistens freundlich zu und streckten den Daumen nach oben als sie unseren Knut sahen.

Kaserne nach der Grenze

Nach dem Sperrgebiet fingen dann auch die klassischen russischen Straßen an, wie man sie sich vorstellt mit Schlaglöcher und uneben.

In Murmansk ging es direkt in den Hafen, weil wir den ersten atombetrieben Eisbrecher Namens Lenin finden sollten. Der Weg dorthin war ein einziges Abenteuer. Schlaglöcher mit Pflastersteinen ausgefüllt, ein brennender Müllhaufen, kleine Garagenwerkstätten und Industrieruinen, die zum Teil noch im Betrieb waren. Im Hafen angekommen fanden wir den Eisbrecher planten den weiteren Tag. Ziel war es in Murmansk noch zu Tanken etwas Bargeld zu holen und Essen kaufen. Also ab in die Stadt. Unser Korso mit einem alten LT Pritschenwagen, einem BMW, ein VW T4 und unser Knut fiel schon leicht auf. Die Eindrücke die wir auf diesem kleinen Weg durch die Stadt bekamen sind unbeschreiblich.

Zurück auf der Straße machten wir dann immer öfter die Bekanntschaft mit der russischen Fahrweise, die uns die Haare zu Berge stehen lässt und es gab die ein oder andere haarige Situation. Es ist ein komisches Gefühl wenn man auf einer Landstraße im Rückspiegel mehr Autos auf der Gegenfahrbahn sieht, als auf der rechten Spur, darunter auch zwei Vierzigtonner, die den Überholvorgang auch nicht abbrechen nur weil da eine Kuppe oder Kurve kommt.

Die Natur ist Russland wirklich schön, nur dass die Russen ihren Müll wild in den Wald werfen und die Parkplätze dadurch nicht wirklich einladend sind. Auch die wenigen Städte die wir passierten kündigten sich früh an, da oft alles ringsum gerodet war und alte Fabriken dichten Rauch in die Luft pumpten. Bei einer Stadt waren wir auch etwas nervös, da auf der Karte ein Atomzeichen vermerkt war. Wir haben keine Ahnung, ob damit ein Kraftwerk gemeint war oder Atomwaffentests in der Vergangenheit, aber ein mulmiges Gefühl bleibt da schon hängen.

Gegen Abend erreichten wir unser Ziel. Wir steuerten einen ausgeschilderten Campingplatz, bei dem sich herausstellte, dass es ihn schon lange nicht mehr gab. Der Besitzer sagte, dass auch im letzten Jahr viele von der Tour kamen und wir auf seinem Grund campen dürfen. Als Dankeschön gab es eine Flasche Wodka, die den Abend nicht überlebte.

Der Weg zum ersten Camp

Die ersten Eindrücke von Russland waren vielseitig und stimmen einen zugleich nachdenklich. Als Fazit des ersten Tags in Russland können wir beide sagen, dass sich nur mit dem ersten Tag und der Einreise nach Russland dieser Trip absolut gelohnt hat.

Tag 8: Nordkap nach Kirkenes

Heute stand eine klassische Verbindungsetappe auf dem Plan. Wir fuhren nach einer sehr kurzen Nacht in Richtung der russischen Grenze, nach Kirkenes. Da wir ja das Ziel haben, 10 Länder auf der Tour zu durchfahren, sind wir einen Abstecher über Finnland gefahren. Dieser Weg führte uns an einem der größten Seen in Finnland vorbei.

Die Landschaft ähnelte sehr stark der norwegischen oder schwedischen Natur, dennoch war es ein Abenteuer.

In Kirkenes gönnten wir uns auch wieder einen Campingplatz mit warmer Dusche. Gleichzeitig starten wir morgen von hier aus zusammen mit anderen Teams an die Grenze nach Russland. Wir sind gespannt was uns erwarten wird.

Je nachdem wie die Internetverbindung in Russland ist kann es sein, dass wir erst in Tallin einen neuen Beitrag schreiben.

Dennoch gibt es hier noch ein paar Impressionen des Tages.

Tag 7: Tromsö ans Nordkap

Heute steht es nun an, das Nordkap. Beide sind wir gespannt, wie es denn sein wird, so am nördlichsten Ende von Europa. Bis dahin trennen uns aber noch einige hundert Kilometer, daher alles der Reihe nach.

Morgens sind wir wie jeden Tag gestartet. Auf der E6 nach Norden ging es dann über einen Pass. Mit noch reichlich Schnee an den Seiten und einer atemberaubenden Aussicht auf, wer hätte es gedacht, einen Fjord. Hier hatten wir aber zum ersten die Chance einen Blick auf die Barentssee zu werfen. Lange waren wir  auch nicht alleine, bis sich weitere Teams zu uns gesellten, um eine kleine Pause zu machen. So wirklich alleine ist man hier nie.

Gegen später bot sich uns noch einmal die Möglichkeit einen kleinen Fjord, mit unaussprechlichem Namen zu umrunden. Diese kleine Nebenstraße, führte uns zu Wasserfällen und Sturzbächen, die aus den Bergen ins Tal schossen. In diesem Idyll fühlen nicht nur wir uns wohl, sondern auch die Helfer des Weihnachtsmannes. Auf der Straße kreuzen immer wieder Rentiere unseren Weg und auf dem Weg zum Nordkap wurden es noch mehr. Diese Tiere haben die Ruhe weg. Auch wenn man mit 70km/h an den grasenden Tieren vorbei fährt, bleiben sie einfach stehen, schauen mal verdutzt nach oben und grasen weiter.

Nach weiteren Kilometern kam dann der Abzweig ans Nordkap. Voller Vorfreude durchfuhren wir kleine Fischerdörfer, Buchten, Klippenstraßen und Tunnel. Und einer dieser Tunnel war einzigartig. Der Nordkaptunnel ist 6,8km lang durch den Stein getrieben und an seiner tiefsten Stelle 220m unter dem Wasserspiegel. Die Steigung im Tunnel zwang uns ordentlich zurück zu schalten, was wir so noch selten wirklich mussten. Da der Tunnel auch die einzige Landverbindung ist, begegnen sich hier Schwerlastverkehr, Wohnmobile und Radfahrer. Ja Radfahrer die im Tunnel schieben müssen, da es einfach zu steil ist. Sachen gibt’s.

Auf der letzten Insel angekommen fuhren wir bis an den Eingang des Nordkaps um es mal aus der Ferne zu sehen. Danach drehten wir um und stellten uns auf einen Parkplatz und kochten uns was. Da wir durch die Rally auf das Gelände durften, nach dem das Besucherzentrum geschlossen ist, entschlossen wir uns kurz davor alles anzusehen, um danach mit dem Auto so weit nördlich zu stehen wie es nur geht. In der Nacht um 2 (Nacht ist etwas übertrieben, denn es war so hell wie den ganzen Tag schon) war es dann endlich soweit, wir standen vor dem Globus und konnten unser Bild machen. Wie der  Zufall es so will trafen wir davor zwei Jungs aus Mainz, die unsere Sache so cool fanden, dass sie uns mit Ihrer Drohne noch ein paar starke Bilder aus der Luft schossen. Nochmal ein dickes Dankeschön an Jens und Thorsten, schaut doch auch mal bei ihnen auf der Facebookseite https://www.facebook.com/gypsyjeffred/ vorbei, die beiden sind gerade auf einer Europatour.

Das geschaffte Ziel feierten wir noch mit ein paar Bier im Knut, bei molligen 20° und schrieben unsere Postkarten, bis wir erschöpft ins Bett fielen um ein paar Stunden später in Richtung Finnland und russischer Grenze zu starten.