Tag 9: Kirkenes (NOR) nach Kandalakscha (RUS)

Und schon wieder ein Tag der früh beginnt. Da uns aber keiner sagen kann wie lange der Grenzübergang dauert, sind wir lieber etwas früher aufgestanden. Der Weg vom Camp zur Grenze ist nicht der Rede wert, aber am Parkplatz davor ging das Abenteuer los. Wir durchforsteten nochmal alle unsere Vorräte, dass wir nichts Verbotenes im Auto hatten. Dann kam die erste Zöllnerin von Norwegen und gab uns den Rat lieber etwas mehr zu entsorgen, wenn wir sicher einreisen wollen. Schweren Herzens trennt wir uns von unserer Basilikumpflanze Giorgio, der uns schon seit Malmö begleitete.

Das Auto nun fit für die Grenze reisten wir aus Norwegen aus, um dann vor der Grenze nach Russland zu stehen. Die Beamten, die den Schlagbaum öffneten, kamen im Gleichschritt an und alle dachten sich schon: „Das wird ein Spaß!“ Nachdem wir Knut abgestellt hatten sind wir zur Einreise gegangen. Hier lief erst alles glatt und wir hatten beide die Einreise nach Russland geschafft. Nun musste Paddy als Fahrer rechts abbiegen und ich durfte gerade aus. Die Einfuhr unseres Knuts gestaltete sich dann schon etwas schwerer. Erst galt es ein Formular doppelt auszufüllen, das dann hoch offiziell in den Rechner eingetippt wurde und nun wurden wir echt nervös, weil es ewig dauerte. Aus meiner Position konnte ich auf den Bildschirm schauen und mich traf der Schlag: Microsofts Rache trifft auch die Russen. Der Rechner musste geupdatet werden und verschiedenste Fenster waren offen bis hin zum Absturz des Computers. Das gute Windows XP wird eben nicht mehr unterstützt. 😛 Durch die Mithilfe eines weiteren Zöllners hat dann aber alles gekappt und wir hatten alle Papiere.

Grenze vor Kirkenes – jetzt wird es ernst

Nun begann der zweite Akt. Paddy durfte das Auto gleich 4 Beamten und zwei Hunden vorführen. Ich stand auf der Russischen Seite und konnte nur zuschauen, ein sehr ungutes Gefühl. Nachdem alle Stauraumklappen und Fächer durchstöbert und auch der Ratschenkasten im Detail geprüft war, hatten wir es geschafft, alle drei durften nach Russland einreisen. Auch alle aus unserer Reisegruppe hatten es auch geschafft. Doch einem Team, das es zur gleichen Zeit versuchte, wurde die Einreise mit dem Auto verweigert, weil sie wohl etwas zu viel Schnaps im Auto hatten. Ein Bild für Götter, eine Zöllnerin lief vor dem Auto her und geleitete beide einmal um das Zollhäuschen herum direkt zur Ausreise.

Jetzt ging es auf die Straße nach Murmansk zur Tageschallenge. Die ersten 50 Kilometer traute ich meinen Augen kaum, wir fuhren über eine nagelneue Straße in bestem Zustand. Gut der Grenzzaun mit Videoüberwachung und ordentlich Stacheldraht entlang den alten Wachtürmen hielt die Spannung hoch. Vielleicht lag das aber auch an den 5 Panzerkasernen an denen wir vorbei fuhren, die zwar etwas heruntergekommen aussahen, aber überall standen Soldaten und so richtig wohl fühlte man sich nicht. Doch die Soldaten winkten uns meistens freundlich zu und streckten den Daumen nach oben als sie unseren Knut sahen.

Kaserne nach der Grenze

Nach dem Sperrgebiet fingen dann auch die klassischen russischen Straßen an, wie man sie sich vorstellt mit Schlaglöcher und uneben.

In Murmansk ging es direkt in den Hafen, weil wir den ersten atombetrieben Eisbrecher Namens Lenin finden sollten. Der Weg dorthin war ein einziges Abenteuer. Schlaglöcher mit Pflastersteinen ausgefüllt, ein brennender Müllhaufen, kleine Garagenwerkstätten und Industrieruinen, die zum Teil noch im Betrieb waren. Im Hafen angekommen fanden wir den Eisbrecher planten den weiteren Tag. Ziel war es in Murmansk noch zu Tanken etwas Bargeld zu holen und Essen kaufen. Also ab in die Stadt. Unser Korso mit einem alten LT Pritschenwagen, einem BMW, ein VW T4 und unser Knut fiel schon leicht auf. Die Eindrücke die wir auf diesem kleinen Weg durch die Stadt bekamen sind unbeschreiblich.

Zurück auf der Straße machten wir dann immer öfter die Bekanntschaft mit der russischen Fahrweise, die uns die Haare zu Berge stehen lässt und es gab die ein oder andere haarige Situation. Es ist ein komisches Gefühl wenn man auf einer Landstraße im Rückspiegel mehr Autos auf der Gegenfahrbahn sieht, als auf der rechten Spur, darunter auch zwei Vierzigtonner, die den Überholvorgang auch nicht abbrechen nur weil da eine Kuppe oder Kurve kommt.

Die Natur ist Russland wirklich schön, nur dass die Russen ihren Müll wild in den Wald werfen und die Parkplätze dadurch nicht wirklich einladend sind. Auch die wenigen Städte die wir passierten kündigten sich früh an, da oft alles ringsum gerodet war und alte Fabriken dichten Rauch in die Luft pumpten. Bei einer Stadt waren wir auch etwas nervös, da auf der Karte ein Atomzeichen vermerkt war. Wir haben keine Ahnung, ob damit ein Kraftwerk gemeint war oder Atomwaffentests in der Vergangenheit, aber ein mulmiges Gefühl bleibt da schon hängen.

Gegen Abend erreichten wir unser Ziel. Wir steuerten einen ausgeschilderten Campingplatz, bei dem sich herausstellte, dass es ihn schon lange nicht mehr gab. Der Besitzer sagte, dass auch im letzten Jahr viele von der Tour kamen und wir auf seinem Grund campen dürfen. Als Dankeschön gab es eine Flasche Wodka, die den Abend nicht überlebte.

Der Weg zum ersten Camp

Die ersten Eindrücke von Russland waren vielseitig und stimmen einen zugleich nachdenklich. Als Fazit des ersten Tags in Russland können wir beide sagen, dass sich nur mit dem ersten Tag und der Einreise nach Russland dieser Trip absolut gelohnt hat.

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